Honda CBR 900RR Fireblade am 20. April 1996

23. April 1996, 8:45 Uhr, Lensahn: Der Unfall

… auf Englisch

Es war so geiles Wetter. Eigentlich sollte es gar nicht so warm sein. Aus dem Grund hatte ich an dem Dienstag auch nicht die Lederklamotten angezogen, weil ich laut Wetterbericht mit dem Auto fahren sollte. Einem Audi 80, Typ B4, ca. 5 Jahre alt. Zudem hatte ich noch die leere „Geldbombe“ aus der Firma dabei, und am Abend hätte ich noch an einer Schulung in der Firma Teil nehmen sollen. Weiter kam noch dazu, dass ich einen ganzen Arsch voll an Elektroinstallationsmaterial für Mirko hätte mitbringen sollen. Einen Haufen Schalterdosen, Steckdoseneinsätze, Wechselschalter, Serienschalter und all so‘n Scheiß. Dazu hatte ich auch schon über 350 Mark mitbekommen.  Als ich aber aus dem Haus ging war sämtliche Vernunft vorn Arsch. Die Sonne schien, es waren kurz vor 20 Grad und ich hatte Bock mit dem Auto zu fahren, sondern lieber mit dem Motorrad. Der Rucksack war hoffentlich gfroß genug für für Mirkos Elektroteile. Ausserdem konnte ich auch schon einen Teil in der Mittagspause mitnehmen. Denn die Strecke von Oldenburg war mit dem Bike in unter 10 Minuten zu schaffen. Heute aber nicht mehr.

Der Bock war eine niegelnagelneue Fireblade. Eine CBR 900RR, SC 33.  So hätte sie eigentlich aussehen sollen:

Fireblade

Honda Fireblade 1995/96

Doch als ich den Karton bei meinem Motorrad-Händler, JRP Racing, Oldenburg, aufmachte, war da eine andere Fireblade drin, eine viel Geilere. Sie sah so geil aus, dass mir fast einer abging.  Sie war Neon-Gelb/Lila/Weiß/Schwarz. Am Sonnabend, dem 20. April habe ich sie bekommen, am 22. April konnte ich sie anmelden, da gab es noch eine Zulassungsstelle in Oldenburg/Holstein. Am 23. April 1996 morgens um halb neun hatte meine geile Fireblade also noch keine 500 km auf der Uhr. Ich zog also nur schnell die Lederjacke und die Cross-Handschuhe und Cross-Stiefel an, Rucksack auf den Rücken und Gas.

Alles was jetzt kommt, weiß ich leider nur aus Erzählungen, Berichten und Akten. Meine Erinnerungen gehen bis zu dem Zeitpunkt, an dem ich von einer Nebenstraße auf die L57 abbiege. Ab dann ist da nichts mehr. Richtige Erinnerungen sind erst wieder ab dem 2. Mai. 1996, zufällig der gemeinsame Geburtstag meiner Eltern, die, ja wirklich, beide an einem Tag Geburtstag hatten.
Ich denke mal, dass das alles so stimmen wird, weil ein Großteil aus den Polizei-Akten stammt.

Ich fuhr also los, Richtung Oldenburg in die Firma, in die ich damals zu Jahresbeginn ‘96  aus Eutin gewechselt habe. Normalerweise brauchte ich für die Strecke keine 9 Minuten, wenn ich nicht gerade ein neues Motorrad vorsichtig einfahren musste, oder die Bull…  äh, Polizei im Nacken hatte. Dazu musste ich in Lensahn an der „großen Kreuzung“ (die größte und einzige Kreuzung mit einer Ampel in Lensahn ;-)) links abbiegen. Vor mir waren zwei VW Golf, deren Fahrer ihre Autos in Richtung der nächsten Kreuzung in gut 500 m Entfernung heran trugen. Soll heißen, dass sie die erlaubten 50 km/h nicht überschritten. Das war die damalige Kreuzung Oldenburger Str./Sundstraße an der viele Andere und leider auch ich vorbei mussten. Jetzt ist da ein Kreisel und ein Neubaugebiet.
In Höhe der Einmündung zur Sundstraße kam mir ein LKW entgegen, der die beiden schleichenden Golfs vorbei lies, um dann links abzubiegen. Dumm für mich war nur, dass der Fahrer des LKW mich übersehen hatte, der brav hintern den VWs herfuhr. Einer Zeugenaussage zufolge soll ich in einem abenteuerlichen Stunt noch versucht haben eine Kollision mit dem mit Bier beladenen LKW zu vermeiden. Es ist mir nicht geglückt. Schade. Fireblade kaputt, ich kaputt. Der fucking Fahrer des fucking Bier-Autos hatte wohl schon von seiner Ladung genascht, denn seine Blutalkoholkonzentration ergab fast zwei Promille. Seinen Lappen hat er an Ort und Stelle abgegeben, hat mir aber auch nichts mehr genützt. Zu dem Zeitpunkt war ich schon auf dem Weg nach Kiel in die Uni-Klinik, leider nicht mit der Fireblade, sondern im Hubschrauber. Von dem Flug hab ich leider nichts mitbekommen. Meine geile Fireblade lag etliche Meter weiter auf der Koppel im Stereben, auf dem später das Neubaugebiet entstanden ist.

Ein Fahrer und Beifahrer eines VW-Busses der Schleswag (gibts heute nicht mehr) der hinter dem Bier-Laster fuhr, ahnten den Aufprall schon kommen. Ein Ausweichen soll für mich unmöglich gewesen sein. Das erfuhr ich erst gut 20 Jahre später, als ich mir die ganzen Akten durchlas. Ich konnte auch nicht zu schnell gewesen sein, weil ich die Fireblade hinter den zwei Golf-Trägern zügeln musste. Wären die nicht da, oder etwas schneller gewesen, wäre ich auch schneller gewesen, und ….. wenn das Wörtchen „wenn“ nicht wäre, hätte der Hund nicht geschissen und den Hasen doch nicht bekommen. Es ist müßig jetzt noch darüber zu philosophieren. Die VW-Businsassen haben mir glücklicherweise meinen Helm fachmännisch abgenommen, mich dann auf die Seite gekullert und dann liegen lassen. Sie haben sich genau richtig verhalten. Und keine Sau hat sich um meine sterbende Fireblade gekümmert. Die wurde später von der Firma Estermann nach Oldenburg in die   Werkstatt von JRP gebracht, wo sie wochenlang, alleine und im Dunklen in einem Nebenraum der Werkstatt stand, bis ich dann Monate später aus der Klinik kam, und nach Oldenburg gefahren wurde.

Weiterlesen

Motorräder

Angefangen habe ich gefühlt vor 100 Jahren mit dem Motorradfahren. Ich machte meinen Motorrad-Führerschein (Klasse 1)  leider nicht mit 18 zusammen mit dem Auto-Führerschein (damals noch Klasse 3), sondern erst mit 23.

Ich hatte aber trotzdem noch viel Spaß. Mein erstes Motorrad war/ist eine zornige 650er Reise-Enduro, eine Kawasaki KLR 650 Tangai. Sie steht immer noch in der Partywerkstatt, und mit ganz viel Geduld und Zeit werde ich ich sie hoffentlich auch noch wieder zum Laufen bekommen.

Dann kam das endgeilste Moped was ich je hatte. Eine Kawasaki ZX-9R Ninja. Im ersten Jahr bin ich über 51000 km, ja, einundfünfzigtausend Kilometer gefahren. Dummerweise habe ich sie im darauffolgenden Jahr verkauft und gegen eine Honda CBR 900RR Fireblade ‚eingetauscht‘. Leider. Denn die Fireblade ist ganze 3 Tage alt geworden. Am 20.04.1996 hab ich sie bekommen, am 23.04.1996 wurden wir beide zu Schrott gefahren. Ich kam mit dem Hubschrauber in die Kieler Universitätsklinik, meine Fireblade in die Werkstatt. Ich wurde wieder einigermaßen zusammengeflickt, die Fireblade war gestorben. Sie ist noch am Unfallort ihren Verletzungen erlegen.

Honda CBR 900RR Fireblade am 20. April 1996
Grad abgeholt: Honda CBR 900RR Fireblade am 20. April 1996

Das war meine Fireblade 3 Tage vor ihrem gewaltsamen Tod.

Welch Trost, sie konnte noch selbständig stehen, aber der Rest war klinisch tot. 23.4.96, 8:45
Nicht mehr zu reparieren. Die Instandsetzung wäre ca. 18.000 DM teurer gewesen als der Neupreis.